Mythen über Plastikverschmutzung

VON ELLIE WHITE | OCEAN GENERATION | 28. MÄRZ 2019 | 4 MIN.
Dieser Artikel erschien ursprünglich auf www.oceangeneration.org.
Mythen über Plastikverschmutzung hinterfragen
Über Plastikverschmutzung kursieren viele Mythen. Wir wollen sie aufklären und die Fakten zum Thema vermitteln.
1. „Im Pazifik schwimmt eine riesige Plastikinsel, dreimal so groß wie Texas: der Great Pacific Garbage Patch.“
Kurz gesagt: Nein.
Dies ist ein verbreiteter Mythos über das Meer. Weder mitten im Pazifik noch anderswo im Ozean gibt es eine riesige schwimmende Plastikinsel. Der sogenannte Great Pacific Garbage Patch ist von der Oberfläche aus nicht sichtbar. Planktonnetze zeigen jedoch die tatsächliche Art des Problems: eine Ansammlung von Mikroplastik, das sich in jedem Netz findet und dessen Konzentration zur Mitte des Ozeans hin zunimmt.
2. „Eine Plastikflasche braucht 450 Jahre, um sich zu zersetzen.“
Dies ist einer der größten Kunststoffmythen. Kunststoff verschwindet nicht einfach, sondern zerfällt in immer kleinere Stücke. Da es ihn erst seit etwa 150 Jahren gibt, lässt sich dafür kein verlässlicher Zeitraum angeben.
Solche Zahlen stammen aus älteren Unterrichtsmaterialien der amerikanischen National Oceanic and Atmospheric Administration. Die Originalquelle schränkt ein, dass „viele Wissenschaftler glauben, dass Kunststoffe niemals vollständig verschwinden. Diese Zersetzungsraten sind Schätzungen für die Zeit, die Gegenstände brauchen, um mikroskopisch klein und nicht mehr sichtbar zu werden“.
Die Vereinfachung des Risikos blendet zudem die Gefahr durch Mikroplastik aus. Kunststoff ist unzerstörbar; er wurde entwickelt, um der Natur zu widerstehen und sich nicht zu zersetzen.
3. „Bis 2050 wird es im Meer mehr Kunststoff als Fisch geben.“
Die Schätzung der Fischmenge im Meer beruht auf einer Prognose der Ocean Conservancy, die sich auf diesen Artikel von 2008 stützt: Für 2015 wurde ein Fischbestand von 812 Millionen angenommen. Die Statistik setzt voraus, dass der Fischbestand bis 2050 konstant bleibt. Angesichts von Überfischung, Klimawandel und Plastikverschmutzung selbst ist das äußerst unwahrscheinlich.
Uns beunruhigt, dass wir den Tiefseeboden zerstören, bevor wir seine Lebewesen überhaupt kennen und verstehen – noch immer werden ständig neue Arten entdeckt.
Dennoch steckt in diesem Mythos ein wahrer Kern: Bei den gegenwärtigen Raten wird es irgendwann mehr Kunststoff als Fisch im Meer geben, wenn sich nichts ändert. Das könnte deutlich vor 2050 geschehen.
4. „Wir sollten Asphalt auf unseren Straßen durch recycelten Kunststoff ersetzen.“
Diese Maßnahme wird von einigen der größten Erzeuger von Kunststoffabfällen unterstützt, ist jedoch mit zahlreichen Risiken verbunden.
Studien haben bereits gezeigt, dass Fasern aus Autoreifen der zweitgrößte Eintrag von Mikrofasern in die Meere sind. Wie könnte sich das verstärken, wenn wir auch Straßen mit Kunststoff bedecken? Die Forschung zu Nanoplastik in unserer Atemluft steht erst am Anfang. Was könnten ausgedehnte Kunststoff-Straßenflächen dazu beitragen, besonders an heißen Tagen?
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