Wo herkömmliches Recycling an Grenzen stößt
Herkömmliches Recycling funktioniert besonders gut, wenn Materialqualität und erzielbarer Wert Sammlung, Sortierung und Verarbeitung rechtfertigen. Viele küstennahe, industrielle und geringwertige Kunststoffströme passen nicht in dieses Modell: Sie sind gemischt, verunreinigt, gealtert oder wirtschaftlich unattraktiv.
Deshalb werden sie häufig verbrannt, deponiert oder gar nicht erst in Kreislaufsysteme aufgenommen. Gelangen sie in die Umwelt, fehlt meist der wirtschaftliche Anreiz, sie zurückzugewinnen.

Die Technologie
Gemeinsam mit MeSentia AG und Inspire AG aus dem ETH-Umfeld entwickelt
W2P (Waste-to-Product) überführt geeignete geringwertige Kunststoffströme in Faserverbundmaterialien und geformte Industriebauteile. Eine thermoplastische Matrix bindet Verstärkungsfasern. Geformte Rippen und Hohlstrukturen schaffen Steifigkeit durch Geometrie statt allein durch massives Material.
Ocean Material verbindet die Beschaffung von Kreislaufrohstoffen, Materialintegration und Anwendungspartner rund um die Technologie von MeSentia. Der Ansatz ist darauf ausgelegt, qualifizierte Sekundärmaterialien direkt zu nutzen, ohne zunächst ein marktfähiges Recyclinggranulat herzustellen.
Ausgangsmaterialspezifische Sortierung und Reinigung
Direkte Formgebung statt extrudierter Profile
Keine erneute Granulierung
Für dezentrale Verarbeitung konzipiert
Leichtbaustrukturen aus Faserverbundmaterial
Die Aufbereitung wird auf das jeweilige Ausgangsmaterial und die Rezeptur abgestimmt. Grobe Fremdstoffe müssen entfernt und ungeeignete Fraktionen ausgeschlossen werden. Der Ansatz ist nicht für beliebige Verunreinigungen geeignet. Saubere Monomaterialströme bleiben wertvolle Ausgangsstoffe für etablierte Recyclingverfahren.
Eine Ergänzung zum mechanischen und chemischen Recycling
Beim herkömmlichen mechanischen Recycling werden Kunststoffe in der Regel sortiert, gereinigt und unter Erhalt ihrer Polymerstruktur aufbereitet. Chemische Recyclingverfahren wie Depolymerisation oder Pyrolyse zerlegen Polymere in kleinere chemische Bausteine oder Ausgangsstoffe.
W2P verfolgt einen direkten Weg vom Material zum Bauteil: Geeignete gemischte Kunststoffabfälle werden mit Fasern kombiniert und zu Industriebauteilen geformt, statt zunächst zu gereinigtem Polymer oder chemischem Ausgangsstoff verarbeitet zu werden. Erwärmen, Mischen und Formgebung bleiben Teil des Verfahrens; die Materialaufbereitung entfällt nicht.
Die Projektarbeit konzentriert sich auf PE-/PP-basierte Gemische und faserverstärkte Rezepturen für Platten und Palettenbauteile. Für diese Material-Anwendungs-Kombinationen bietet W2P einen zusätzlichen Weg, wenn die Rückgewinnung in herkömmliche Polymerqualitäten schwierig oder unwirtschaftlich ist. Welcher Weg geeignet ist, hängt vom Ausgangsstrom und der erforderlichen Produktleistung ab.
Kunststoffabfälle, die bisher niemand wollte
Von schwierigen Abfallströmen zu realen industriellen Materialprototypen
Das entstehende Material
Faserverbund-Leichtbauwerkstoff aus Kreislaufmaterialien.
Platten und Formbauteile verbinden eine Matrix aus Sekundärkunststoffen mit Verstärkungsfasern. Material- und Strukturversuche haben gerippte Leichtbauteile hervorgebracht. Montierte Palettenprototypen zeigen, wie daraus ein vollständiges Produkt werden kann. Rezeptur, Geometrie und Fügetechnik werden gemeinsam für den vorgesehenen Einsatz entwickelt.
Anwendungen
Paletten sind der erste konkrete Anwendungsfall, gestützt auf physische Prototypen und die Plattenentwicklung. Bauelemente und weitere Industriebauteile sind zusätzliche Entwicklungsfelder, für die noch anwendungsspezifische Prüfungen erforderlich sind.

W2P-Paletten

Platten

Bauelemente

Industriebauteile
Zentraler Anwendungsfall 2026
W2P-Paletten
Ein physischer Palettenprototyp zeigt den Schritt von Faserverbundplatten zu einem montierten Logistikprodukt. Seine Leichtbaustruktur macht die Palette zu einer praxisnahen ersten Anwendung für die Weiterentwicklung des Verfahrens zur industriellen Produktion.
Der aktuelle Prototyp wiegt 16 kg. Tragfähigkeit und Lebensdauer müssen anwendungsspezifisch validiert werden. Das Gewicht allein belegt keine Gleichwertigkeit mit einer Holzpalette.

- Gewicht des aktuellen physischen Palettenprototyps.
- Prototyp mit 16 kg
- Gegenüber der Holzpaletten-Referenz in unserer Berechnung bei geplanter Produktionsgröße.
- Mindestens 20 % niedrigere prognostizierte Kosten
- Eine vorläufige vergleichende Ökobilanzmodellierung stellt ein früheres Szenario unserer Palette herkömmlichen Holz- und Recyclingkunststoffpaletten gegenüber. Wir sehen enormes Potenzial, Emissionen und Energiebedarf zu senken.
- Potenzial bei Klima und Energie
- Eine umfassende, produktspezifische Ökobilanz ist geplant.
Die Industrialisierung vorbereiten
Physische Palettenprototypen, Leichtbauplatten-Demonstratoren und dokumentierte Materialversuche bilden die Grundlage für die nächste Phase. Wir bereiten die Industrialisierung vor: Das Verfahren skalieren, Wiederholbarkeit und Automatisierung verbessern, Anwendungen validieren und den Fertigungsaufbau mit Engineering-Partnern entwickeln.
Dafür suchen wir Industriepartner und Investoren. Vereinbaren Sie einen Besuch am Entwicklungsstandort, sehen Sie sich die Prototypen an und besprechen Sie Möglichkeiten bei Ausgangsmaterialien, Anwendungen, Fertigung oder Investitionen.
Warum Industriepartner W2P wählen
Verringert die Abhängigkeit von Primärmaterialien
Erschließt Wege für schwierige betriebliche Abfallströme
Verbindet Rohstoff- und Produktentwicklung
Unterstützt regionale Fertigungsmodelle
Ermöglicht industrielle Leichtbaustrukturen
Nutzt geringwertige Ausgangsstoffe







Häufige Fragen
Konkrete Antworten zu Ausgangsmaterialien, Verfahren und den nächsten Entwicklungsschritten.
Was sind Coastal Residue Streams (CRS)?
Coastal Residue Streams (CRS) sind geringwertige, häufig gemischte und verunreinigte Reststoffe, die in Küstenregionen und in Umgebungen mit hohem Risiko eines Eintrags ins Meer gesammelt werden. Dazu gehören meist ausrangierte Kunststoffe, Fischernetze, Textilien und andere Abfälle, die sich herkömmlich nur schwer recyceln lassen und in das marine Ökosystem gelangen könnten.
Wie unterscheidet sich die OM-Technologie vom mechanischen Recycling?
Der W2P-Ansatz nutzt die Material- und Formgebungstechnologie von MeSentia, um qualifizierte Kunststoffgemische und Fasern in Bauteile zu überführen. Im Unterschied zur herkömmlichen Aufbereitung zu Polymerqualitäten liegt der Fokus direkt auf einem Formbauteil und seiner Strukturgeometrie, statt zunächst ein einheitliches Recyclinggranulat herzustellen. Aufbereitung und Rezeptur bleiben entscheidend.
Wie ergänzt W2P das mechanische und chemische Recycling?
W2P ergänzt die bestehenden Wege um die Bauteilherstellung aus geeigneten schwer recycelbaren Kunststoffen. Anders als chemische Verfahren, die Polymere in kleinere chemische Bausteine oder Ausgangsstoffe zerlegen, erhält W2P eine Polymermatrix und verbindet sie mit Fasern. Die Projektarbeit an gemischten PE-/PP-basierten Rezepturen, Leichtbauplatten und Palettenbauteilen zeigt den Anwendungsfokus. W2P ergänzt etablierte Verfahren, statt sie für jeden Materialstrom zu ersetzen.
Erfordert das Verfahren eine Extrusion?
Die Leichtbauteile entstehen in Formen, nicht als herkömmlich extrudierte Profile. Der direkte Ansatz benötigt keinen Zwischenschritt zur erneuten Granulierung. In der vorgelagerten Materialaufbereitung können je nach Rezeptur und Produktionsaufbau dennoch Misch- oder Extrusionsanlagen zum Einsatz kommen.
Welches Klima- und Energiepotenzial besteht?
Eine vorläufige vergleichende Ökobilanzmodellierung vergleicht ein früheres Szenario einer 12,5-kg-Palette mit Referenzdaten für herkömmliche Holz- und Recyclingkunststoffpaletten. Wir sehen enormes Potenzial, Emissionen und Energiebedarf zu senken.
Dieses frühere Szenario validiert nicht den aktuellen Prototyp mit 16 kg und ist keine unabhängig validierte Ökobilanz des heutigen Palettensystems.
Eine umfassende, produktspezifische Ökobilanz ist geplant; sie wurde noch nicht begonnen.
Wo lässt sich die Technologie einsetzen?
Das geplante Fertigungskonzept unterstützt regionale Anlagen in der Nähe geeigneter Abfallströme und industrieller Nachfrage. Standortwahl, Rohstoffaufbereitung und Produktionssystem sind Teil der Industrialisierungsplanung. Damit wird noch kein Serieneinsatz behauptet.
