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Meere & Abfallsysteme

10 Fakten zur Plastikverschmutzung im Meer

Meeresschildkröte, die sich in Kunststoffabfällen verfangen hat

VON LUCI ELLIS | EARTH.ORG | 12. DEZEMBER 2021 | 6 MIN.

10 Fakten zur Plastikverschmutzung im Meer

Kunststoff ist günstig, vielseitig und äußerst langlebig. Das macht ihn für viele Anwendungen geeignet und zu einem festen Bestandteil unseres Alltags. Unsere Abhängigkeit von diesem Material hat jedoch eine globale Umweltkrise geschaffen, die die Meere und ihre Lebewesen schädigt. Diese zehn Fakten sollten Sie kennen.

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Jährlich gelangen mehr als acht Millionen Tonnen Kunststoff ins Meer

Als die Kunststoffproduktion in den 1950er-Jahren begann, waren die Mengen klein und die entstehenden Abfälle vergleichsweise überschaubar. Heute erzeugen wir jährlich etwa 300 Millionen Tonnen Kunststoffabfall, von denen 60 Prozent in der Natur oder auf Deponien landen. Plastikverschmutzung gehört zu den größten Problemen der Meeresumwelt. Schätzungsweise acht Millionen Tonnen gelangen jedes Jahr ins Meer. Rund 40 Prozent der Meeresoberfläche sind inzwischen mit Kunststoffabfällen belastet. Geht unser Verbrauch so weiter, könnte es bis 2050 mehr Kunststoff als Fisch im Meer geben.

Tiere verwechseln Kunststoffabfälle mit Beute

Schwimmende Kunststoffteile können für Tiere wie Nahrung aussehen. Verschluckter Kunststoff füllt den Magen und unterdrückt das Hungergefühl. Die Tiere fressen nicht mehr genug und können verhungern. Neben den schädlichen Chemikalien im Kunststoff lagern sich frei im Meerwasser vorhandene Schadstoffe an seiner Oberfläche an. So wird er für Meereslebewesen noch gefährlicher. Über den Verdauungstrakt gelangen diese Stoffe in die Nahrungskette und reichern sich dort mit der Zeit an. Wie viele Tiere jährlich durch verschluckten Kunststoff sterben, lässt sich nicht sagen: Nicht alle toten Tiere werden gefunden oder untersucht. Die Zahl der gemeldeten Fälle steigt jedoch von Jahr zu Jahr.

Drei Milliarden Menschen sind auf Fisch als Eiweißquelle angewiesen

Gesunde Meere sind besonders für Entwicklungsländer entscheidend. Weltweit hängen Milliarden Menschen von Fisch als wesentlicher Nahrungs- und Einkommensquelle ab. Manche Küstengemeinschaften decken damit sogar 70 Prozent ihres täglichen Eiweißbedarfs. Mikroplastik wird immer häufiger in Meeresfrüchten nachgewiesen und bedroht damit die Ernährungssicherheit und Lebensmittelsicherheit. Welche Folgen der Verzehr belasteter Meerestiere hat, ist noch nicht bekannt. Von etwa 210 wirtschaftlich wichtigen Arten weiß man jedoch, dass sie Kunststoffabfälle aufgenommen haben.

Jährlich sterben 100.000 Tiere durch Verfangen

Das sind nur die Tiere, die gefunden werden. Immer wieder werden Meerestiere gemeldet, die sich in Fischereiabfällen verfangen haben. Jährlich gelangen zwischen 500.000 und einer Million Tonnen verlorener, aufgegebener oder entsorgter Fischereiausrüstung ins Meer. Sie wird von Booten ins Wasser geworfen oder von Schiffen und Küsten weggespült. Treibende Ausrüstung kann Meerestiere festhalten, ihre Bewegung einschränken und Nahrungssuche oder Schwimmen verhindern. Säugetiere sind besonders gefährdet, weil sie unter Wasser nicht atmen können und ertrinken. Verstrickungen verursachen zudem Verletzungen; einschneidender Kunststoff kann zu Infektionen führen.

Kunststoff transportiert Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen in fremde Regionen

Kunststoff braucht Hunderte Jahre, um zu zerfallen, und schwimmt gut. Deshalb kann er jahrelang treiben, bevor er neue Küsten erreicht. Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen reisen auf diesen Teilen mit und gelangen Hunderte Kilometer außerhalb ihres ursprünglichen Verbreitungsgebiets. Dieses „Ocean Rafting“ erhöht das Risiko, dass gebietsfremde Arten eingeschleppt werden. Invasive Arten können einheimische Organismen im Wettbewerb um begrenzte Ressourcen verdrängen, Krankheitserreger einbringen und Lebensräume verändern. Dadurch sinkt die biologische Vielfalt.

Kunststoff verstärkt die Folgen des Klimawandels

Kunststoffe werden aus fossilen Rohstoffen hergestellt und setzen beim Zerfall Treibhausgase frei. Im Meer geschieht dieser Zerfall hauptsächlich durch Wellen, Sonnenlicht und Wärme. Mit zunehmender Erwärmung werden mehr Treibhausgase aus Kunststoffen freigesetzt, was den Klimawandel weiter beschleunigt. Ein wärmeres Klima und mehr Treibhausgase in der Atmosphäre bedeuten auch wärmere und saurere Meere. Das hat schwere Folgen für marine Ökosysteme, besonders für Korallenriffe. Diese Lebensräume sind im Klimaschutz wichtig, da sie viel Kohlenstoff binden. Steigt die globale Temperatur um mehr als 2 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau, werden jedoch mehr als 99 Prozent der weltweiten Korallenriffe verschwinden.

Kunststoff zerfällt zu Mikroplastik

Kunststoff verschwindet nicht vollständig, sondern zerfällt in immer kleinere Teile: Mikroplastik. Damit existiert jeder jemals verwendete Kunststoff in irgendeiner Form irgendwo weiter. Er wurde robust und langlebig entwickelt und gehört daher zu den beständigsten Schadstoffen der Erde. Selbst eine kleine Plastikflasche kann mehr als 400 Jahre brauchen, um zu zerfallen.

Die Hälfte der Kunststoffe ist für den einmaligen Gebrauch bestimmt

Kunststoff zu vermeiden ist heute äußerst schwierig. Die meisten Konsumgüter bestehen daraus oder werden darin verpackt; die Hälfte der hergestellten Kunststoffe ist nur für den einmaligen Gebrauch vorgesehen. Kunststofffreie Alternativen sind oft schwer zu finden. Unternehmen und Organisationen müssen es Verbrauchern leichter machen, Abfälle zu vermeiden. Einzelne können jedoch bereits mit wiederverwendbaren Wasserflaschen, Einkaufstaschen und Kaffeebechern ihren täglichen Verbrauch senken.

Der Kunststoffeintrag ins Meer könnte sich bis 2040 verdreifachen

Laut einem Bericht von 2020 könnte sich die Kunststoffverschmutzung im Meer in den nächsten 20 Jahren verdreifachen. Das entspräche bis zu 110 Pfund Kunststoffabfall pro Meter Küstenlinie weltweit und bis 2040 jährlich bis zu 29 Millionen Tonnen. Fachleute sagen jedoch, dass sich die Menge deutlich senken ließe: durch eine Begrenzung des Wachstums der Neukunststoffproduktion, bessere weltweite Sammelsysteme und Investitionen in leichter recycelbare Materialien.

Der Ozean nimmt fast 30 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen auf

Der Ozean ist unser größter Verbündeter im Klimaschutz: Er kann fast 30 Prozent der globalen CO₂-Emissionen aufnehmen und speichern. Deshalb müssen wir seine Gesundheit erhalten. Regierungen erkennen die Plastikkrise zunehmend an und viele haben bereits Maßnahmen ergriffen. Nach dem Verbot von Plastiktüten 2019 hat Neuseeland zugesagt, bis 2025 Einwegkunststoffe wie Trinkhalme, Besteck und Wattestäbchen sowie Getränke- und Lebensmittelverpackungen aus PVC und Polystyrol auslaufen zu lassen. Indien hat ebenfalls angekündigt, Herstellung und Nutzung von Einwegkunststoffen ab Juli 2022 zu verbieten.

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf Earth.Org und wird hier im Rahmen einer redaktionellen Vereinbarung erneut veröffentlicht.

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