Wanderung von Meeresarten

VON EARTH.ORG | EARTH.ORG | 14. APRIL 2021 | 3 MIN.
Meeresarten wandern vom Äquator in kühlere Gewässer
Die Zahl der Meeresarten nimmt zu den Polen hin natürlicherweise ab. Ökologen gingen davon aus, dass dieses globale Muster in den letzten Jahrhunderten stabil geblieben ist. Eine neue Studie zeigt jedoch, dass das Meer am Äquator durch den Klimawandel für viele Arten zu heiß zum Überleben geworden ist. Die Forschenden warnen, dass diese Wanderung von Meeresarten ein Massensterben auslösen könnte.
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Wenn Arten in kühlere Gewässer in Richtung der Pole ausweichen, dürfte das erhebliche Folgen für marine Ökosysteme und menschliche Lebensgrundlagen haben. Vergleichbares geschah vor 252 Millionen Jahren; damals starben 90 Prozent aller Meeresarten aus.
Die Autoren untersuchten Verbreitungsdaten von fast 50.000 Meeresarten, die seit 1955 gesammelt wurden. Dabei fanden sie mit der Zeit eine zunehmende Delle in der glockenförmigen Verteilung der Artenvielfalt, besonders rund um den Äquator.
Mit der Erwärmung der Ozeane wandern Arten polwärts. Obwohl die Erwärmung am Äquator um 0,6 °C in den vergangenen 50 Jahren im Vergleich zu höheren Breiten relativ gering ist, müssen tropische Arten größere Strecken zurücklegen, um in ihrem geeigneten Temperaturbereich zu bleiben.
Die Autoren untersuchten zehn große Gruppen von Meeresarten, darunter Freiwasserfische, Rifffische und Weichtiere. In Breiten mit einer jährlichen mittleren Meeresoberflächentemperatur über 20 °C stagnierte oder sank deren Artenzahl.
Heute ist die Artenvielfalt auf der Nordhalbkugel um 30° nördlicher Breite am größten, etwa vor Südchina und Mexiko. Auf der Südhalbkugel liegt das Maximum um 20° südlicher Breite, etwa vor Nordaustralien und Südbrasilien.
Ein Blick in die Erdgeschichte
Vor 252 Millionen Jahren, am Ende des Perms, stiegen die globalen Temperaturen über 30.000 bis 60.000 Jahre um 10 °C. Ursache waren Treibhausgase aus Vulkanausbrüchen in Sibirien. Dabei flachte das Maximum der Artenvielfalt am Äquator ab; 90 Prozent aller Meeresarten starben aus.
Vor 125.000 Jahren zogen sich Riffkorallen ebenfalls aus den Tropen zurück. Damit war jedoch kein Massensterben verbunden.
Die Autoren sehen in ihren Ergebnissen ein mögliches Vorzeichen eines weiteren Massensterbens in naher Zukunft: Meeresarten ziehen in die Subtropen, wo Konkurrenz und Anpassung Schwierigkeiten bereiten könnten.
Die Artenvielfalt der Foraminiferen – einzelliges Plankton mit einer festen Schale – nimmt seit dem Ende der letzten Eiszeit vor rund 15.000 Jahren ab. Plankton ist ein wesentlicher Bestandteil mariner Nahrungsnetze. Laut den Autoren hat sich dieser Rückgang in den letzten Jahrzehnten durch den menschengemachten Klimawandel beschleunigt.
Was bedeutet das?
Artenverluste in tropischen Ökosystemen verringern deren Widerstandskraft gegenüber Umweltveränderungen und gefährden damit ihren Fortbestand.
In subtropischen Ökosystemen nimmt die Artenzahl zu. Das bringt einwandernde Arten, neue Räuber-Beute-Beziehungen und neue Konkurrenzverhältnisse mit sich. Daraus könnte ein Zusammenbruch von Ökosystemen folgen, bei dem Arten aussterben und Ökosystemleistungen wie die Nahrungsversorgung dauerhaft verändert werden.
Auch menschliche Lebensgrundlagen sind betroffen. Viele tropische Inselstaaten erzielen Einnahmen, indem sie Thunfischflotten Fanglizenzen für ihre Hoheitsgewässer verkaufen. Die sehr mobilen Thunfischarten dürften jedoch rasch in die Subtropen ziehen – außerhalb der Gewässer dieser Inselstaaten.
Was können wir tun?
Wir müssen dringend Emissionen senken, um den Temperaturanstieg zu begrenzen. Zusätzlich können Schutzmaßnahmen für die biologische Vielfalt helfen. Derzeit stehen 2,7 Prozent des Ozeans unter vollständigem oder hohem Schutz. Das liegt deutlich unter dem Ziel von zehn Prozent bis 2020 aus dem UN-Übereinkommen über die biologische Vielfalt.
Eine Gruppe von 41 Ländern setzt sich jedoch für ein neues Ziel ein: 30 Prozent der Meere bis 2030 zu schützen. Dieses „30 by 30“-Ziel könnte Meeresbodenbergbau verbieten und Fischerei aus Schutzgebieten ausschließen.
Der Klimawandel verändert eines der bekanntesten und stärksten globalen Muster der Ökologie. Für weiteres Zögern bleibt keine Zeit.
Dieser Artikel erschien ursprünglich auf Earth.Org und wird hier im Rahmen einer redaktionellen Vereinbarung erneut veröffentlicht.
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