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Meere & Abfallsysteme

Plastikverschmutzung im Meer könnte sich bis 2040 verdreifachen

Kunststoffabfälle an einem Strand als Beispiel für Meeresverschmutzung

EARTH.ORG | 20. AUGUST 2020 | 3 MIN.

Plastikverschmutzung im Meer könnte sich bis 2040 verdreifachen

Der jährliche Kunststoffeintrag in die Meere steuert auf eine Verdreifachung in den nächsten 20 Jahren zu. Nach einem neuen Bericht könnten so bis zu 110 Pfund Kunststoffabfall pro Meter Küstenlinie weltweit hinzukommen.

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Diese Entwicklung ist jedoch nicht unvermeidlich. Laut Analyse könnte die Menge um 80 Prozent reduziert werden, wenn das Wachstum der Kunststoff-Neuproduktion begrenzt, die Abfallsammlung weltweit verbessert und in leichter recycelbare Kunststoffe investiert wird.

„Es gibt einen Weg zu einer erheblichen Verringerung“, sagte Dr. Winnie Lau, Mitautorin des Berichts und leitende Mitarbeiterin des Programms gegen Meeresplastik bei Pew Charitable Trusts. „Wir haben Zahlen gewählt, die realistisch erreichbar, aber nicht leicht zu erreichen sind.“

Die technischen Grundlagen des Berichts wurden am Mittwoch in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht. Die Prognosen beruhen auf einem wirtschaftlichen Modell, das Kunststoffströme und -mengen im globalen System quantifiziert. Entwickelt wurde es von der gemeinnützigen Organisation Pew und SystemIQ, einem Unternehmen, das Modelle und Märkte zur Erreichung der Ziele des Pariser Abkommens entwickelt.

Das Modell schätzt den Kunststoffeintrag ins Meer bis 2040 in sechs Szenarien: vom „Weiter wie bisher“ bis zur vollständigen Umgestaltung der Kunststoffsysteme – von der Produktion über Sammlung und Verbrauch bis zu Entsorgung und Recycling. Es vergleicht die jeweiligen Kosten-, Klima- und Beschäftigungsfolgen.

Derzeit gelangen jährlich rund 11 Millionen Tonnen Kunststoff in die Ozeane. Das verursacht kaum bezifferbare Schäden an Lebensräumen und schadet Menschen und Tieren. Ohne Maßnahmen steigt die Menge laut Untersuchung bis 2040 auf 29 Millionen Tonnen jährlich. Manche kohlenwasserstoffbasierten Kunststoffe zerfallen zwar in winzige Mikroplastikpartikel, die ebenfalls schädlich sein können, werden aber nicht biologisch abgebaut. Die angesammelte Kunststoffmenge im Meer könnte deshalb in 20 Jahren 600 Millionen Tonnen erreichen.

Einige Regierungen und Branchen haben zugesagt, den Kunststoffeinsatz zu senken. Selbst bei Erfüllung dieser Zusagen würde der Eintrag nach Einschätzung der Autoren jedoch nur um sieben Prozent zurückgehen. Der Bericht weist außerdem darauf hin, dass Covid-19 die Aufgabe erschweren könnte, da die Pandemie den Verbrauch von Einwegkunststoffen erhöht hat.

SystemIQ-Mitgründer Martin Stuchtey erklärt, dass Kunststoffsysteme eng miteinander verflochten seien: Verbesserungen in einem Bereich erforderten auch Verbesserungen in den anderen. Einige Grundsysteme seien dabei besonders wichtig. So gehen die Autoren davon aus, dass 2040 etwa vier Milliarden Menschen keinen Zugang zu organisierter Abfallsammlung haben werden. Bessere Abfallverarbeitung allein löst das Meeresplastikproblem nicht, ist aber ein notwendiger erster Schritt, damit Abfälle sortiert und entweder recycelt oder sicher behandelt werden können.

Der Bericht fordert, bis 2040 täglich durchschnittlich 500.000 Menschen an Sammelsysteme anzuschließen. Die gesamten staatlichen Kosten dafür werden auf 600 Milliarden US-Dollar geschätzt. Stuchtey ergänzt, dass selbst die günstigsten Projektionen unerreichbar wären, wenn die Produktion von Neukunststoff nicht weitgehend konstant gehalten werde.

„Selbst wenn wir ehrgeizige Steigerungen bei Recycling, Sammlung und Materialsubstitution annehmen, kommen wir nicht ans Ziel, solange wir die Kunststoffproduktion nicht auf dem Niveau von 2020 einfrieren“, sagt er. „Entweder müssen Raffinerien ihre Pläne ändern, oder wir müssen anerkennen, dass sich eine zunehmende Meeresverschmutzung nicht vermeiden lässt.“

Dieser Beitrag erschien ursprünglich bei Bloomberg Green. Er wird im Rahmen der Partnerschaft von Earth.Org mit Covering Climate Now erneut veröffentlicht, einer weltweiten Zusammenarbeit von mehr als 250 Nachrichtenmedien zur Stärkung der Klimaberichterstattung.

Dieser Artikel erschien auf Earth.Org und wird hier im Rahmen einer redaktionellen Vereinbarung erneut veröffentlicht.

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