Zum Inhalt springen

Meere & Abfallsysteme

Wie Plastikverschmutzung die Tierwelt im Meer schädigt

Robbe, die sich am Strand in einem Kunststoff-Fischernetz verfangen hat

VON CHLOE WONG | EARTH.ORG | 19. JANUAR 2022 | 4 MIN.

Wie Plastikverschmutzung die Tierwelt im Meer schädigt

Kunststoff ist überall: in Wasserflaschen, Telefonen, Autos, Brillen, Schuhen und vielem mehr. Nach dem Gebrauch wird er jedoch häufig sorglos entsorgt. 2020 gelangten elf Millionen Tonnen ins Meer, mit katastrophalen Folgen für marine Ökosysteme und ihre Tiere. Covid-19 hat den Verbrauch von Einwegmasken und Kunststoff-Take-away-Boxen bereits stark erhöht und wird nicht so bald verschwinden. Produktion und Entsorgung nehmen weiter zu und verschärfen die Probleme für die Tierwelt.

—

Wie schwerwiegend ist die Plastikverschmutzung im Meer?

Allein 2020 wurden 370 Millionen Tonnen Kunststoff produziert. Die Menge dürfte weiter steigen, da die fossile Industrie eine Steigerung der Produktion um 40 Prozent im nächsten Jahrzehnt plant. Schätzungsweise drei Prozent des hergestellten Kunststoffs gelangen aus Küstenstaaten ins Meer – im vergangenen Jahr also etwa elf Millionen Tonnen.

Studien schätzen, dass sich inzwischen 15 bis 51 Billionen Kunststoffteile in den Weltmeeren befinden. Mehr als 1,3 Millionen Tonnen schwimmen an der Oberfläche, verteilt über etwa 40 Prozent ihrer Fläche. Damit ist jeder Quadratkilometer der Meeresoberfläche von Plastikverschmutzung betroffen. In küstenfernen Gebieten finden sich weiterhin Makroplastikteile, die Jahrzehnte alt sind und teilweise aus den 1950er- und 1960er-Jahren stammen. Manche Schätzungen gehen davon aus, dass bestimmte Kunststoffe mindestens 400 Jahre zum Zerfallen benötigen.

Folgen für die Tierwelt

Jährlich sterben Millionen Tiere durch Kunststoff – von Vögeln und Fischen bis zu Blauwalen. Häufig verschlucken sie ihn oder verfangen sich darin.

2019 wurde ein kaum handtellergroßes Schildkrötenjunges tot aufgefunden. In seinem Magen lagen 104 Kunststoffteile.

Tiere verwechseln schwimmenden Kunststoff leicht mit Nahrung. Eine neue Studie dokumentiert die bislang höchste Zahl betroffener Arten: Bei 1.557 Arten weltweit, darunter vielen gefährdeten, wurde die Aufnahme von Kunststoff nachgewiesen. Mikroplastik – Partikel unter fünf Millimetern – passiert den Verdauungstrakt zwar häufig ohne erkennbare Folgen. Kunststoff kann aber auch den Verdauungstrakt verstopfen oder Organe durchstoßen. Tiere können ersticken, innere Verletzungen erleiden und sterben. Oder sie verhungern, weil Kunststoff ein Sättigungsgefühl erzeugt. Zudem verringert er das nutzbare Magenvolumen und kann die Nahrungsaufnahme unmöglich machen.

Forschende fanden Kunststofffragmente in Hunderten Arten, darunter 86 Prozent aller Meeresschildkrötenarten, 44 Prozent aller Seevogelarten und 43 Prozent aller Meeressäugetierarten. Das verdeutlicht den starken Anstieg der Abfallmengen in den letzten 40 Jahren. Ohne Gegenmaßnahmen könnten diese Werte bis 2050 auf 99 Prozent steigen.

Versuche haben zudem Leber- und Zellschäden sowie Störungen des Fortpflanzungssystems durch Kunststoff bestätigt. Austern produzieren beispielsweise weniger Eier. Auch bei überlebenden Tieren, die weiter Kunststoff aufnehmen, kann die Fortpflanzungsfähigkeit sinken und damit der Bestand verschiedener Arten zurückgehen. Über die Nahrungskette gelangt das Material außerdem in größere Fische und Meeressäuger und schädigt weitere Tiere.

Meeressäuger können sich auch in Kunststoff verfangen. Im Lebensraum der stark gefährdeten Hawaii-Mönchsrobbe wurden große Mengen Kunststoff gefunden, auch in Aufzuchtgebieten. Beim gefährdeten Stellerschen Seelöwen steigen Verletzungen und Sterblichkeit durch Verstrickungen; Verpackungsbänder sind dabei das häufigste Material. Robben, Wale, Schildkröten und andere Tiere wurden durch zurückgelassene Fischereiausrüstung stranguliert aufgefunden.

Das Problem betrifft nicht nur Wildtiere. Viele Menschen essen Fisch und Meeresfrüchte. Schädlicher oder giftiger Kunststoff darin dürfte auch in das menschliche Verdauungssystem gelangen und den Körper beeinträchtigen. Kunststoff, den Menschen ins Meer werfen, kommt damit zu ihnen zurück. Ohne gemeinsames Handeln werden weitere Tiere und Menschen betroffen sein.

Was können wir tun?

Den Kunststoffeinsatz auf null zu senken ist nahezu unmöglich. Schon weniger Kunststoff auf Deponien ist jedoch wichtig für Umwelt und Tierwelt. Ein Bericht des Weltwirtschaftsforums besagt, dass eine Wiederverwendung von nur zehn Prozent unserer Kunststoffverpackungen den jährlichen Eintrag in die Meere halbieren könnte. Ein Mehrweganteil von 40 bis 70 Prozent könnte laut den dort angeführten Zahlen 185 bis 320 Prozent der Meeresplastikverschmutzung und 50 bis 85 Prozent des deponierten Kunststoffs verhindern.

Weniger Kunststoff zu verbrauchen ist einfacher als gedacht. Bereits die Wiederverwendung und das Recycling von Taschen und Flaschen können große Mengen in kontrollierte Entsorgungswege lenken und das Risiko verringern, dass sie wieder ins Meer gelangen.

Einzelne Handlungen mögen angesichts der Größe der Welt gering erscheinen. Wer seine Gewohnheiten Schritt für Schritt ändert, kann jedoch vielen Tieren helfen. Ihr Einsatz kann die beschriebenen Probleme lindern und sogar dem gesamten Ökosystem zugutekommen.

Titelbild: Wikimedia Commons

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf Earth.Org und wird hier im Rahmen einer redaktionellen Vereinbarung erneut veröffentlicht.

Mehr erfahren:

Sprechen wir über Ihr Projekt

Beschreiben Sie Ihre Anwendung, Spezifikationen und den erwarteten Bedarf.
Wir arbeiten weltweit an gewerblichen und industriellen Projekten.

Material: Nicht ausgewählt – bitte beschreiben Sie es in Ihrer Nachricht.

Wir verwenden Ihre Angaben zur Bearbeitung dieser Anfrage. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.