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Politik & Industrie

Was verspricht eine Blue Economy?

Fischer wirft von einem Holzboot aus ein Netz in einem Küstengebiet aus

VON TRISTAN BOVE | EARTH.ORG | 25. FEBRUAR 2021 | 13 MINUTEN

Was verspricht eine Blue Economy?

Mitte des 20. Jahrhunderts setzten sich neue landwirtschaftliche Technologien wie kontrollierte Bewässerung, Pestizide und chemische Dünger durch. Sie ermöglichten die Grüne Revolution, die wesentlich zur Versorgung einer wachsenden Weltbevölkerung beitrug. Trotz ihrer wichtigen Rolle für die menschliche Entwicklung besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass sie auch erhebliche Schäden an der Artenvielfalt verursachte, großflächige Abholzung erforderte und auf einem drastischen Anstieg landwirtschaftlicher Treibhausgasemissionen beruhte. Neue Wirtschaftsmodelle für Produktion und Rohstoffgewinnung sind nötig, um menschliche Schäden an Landökosystemen zu begrenzen und die verfügbaren Ressourcen sowie Ökosystemleistungen besser zu nutzen. Als Ansatz, der beide Ziele und weitere erreichen könnte, ist die Blue Economy möglicherweise das nächste Kapitel der wirtschaftlichen Entwicklung.

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Die Blue Economy umfasst sämtliche wirtschaftlichen Aktivitäten im Zusammenhang mit Meeren und Küstenökosystemen. In einer vollständig entwickelten blauen Wirtschaft dienen diese Räume als zentrale Grundlage für Ressourcengewinnung, Produktion und wirtschaftliches Wachstum. Der Ansatz betont den Schutz und die nachhaltige Entwicklung der Meere sowie politische Maßnahmen für einen besseren Umgang mit Ökosystemen, Tierwelt und Ressourcen. Er kann als Teil der umfassenderen Green Economy verstanden werden, die Ressourcen effizient und gerecht nutzen und Entwicklung ohne Umweltzerstörung ermöglichen soll.

Die Blue Economy umfasst unterschiedliche Sektoren, darunter Lebensmittelproduktion, Tourismus, Energie, Transport und Abfallwirtschaft. Die weltweite Wirtschaftsleistung dieser Aktivitäten wird derzeit auf rund 1,5 Billionen US-Dollar geschätzt.

Viele dieser Branchen wachsen rasch, weil noch großes Potenzial für Innovationen und technische Fortschritte besteht. Ein Bericht der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) von 2018 kam etwa zu dem Ergebnis, dass Aquakultur – die organisierte Aufzucht von Fischen, Krebstieren, Algen und anderen Wasserorganismen – der am schnellsten wachsende Bereich der Lebensmittelproduktion sei. Das werde auch in den kommenden Jahren so bleiben; bis 2030 solle Aquakultur 60 % des für Menschen verfügbaren Fischs liefern. Weltweit hängen rund 350 Millionen Arbeitsplätze mit Fischerei und anderen meeres- oder küstenbezogenen Wirtschaftsaktivitäten zusammen.

The Commonwealth of Nations; 2016. Die möglichen Vorteile einer Blue Economy sind enorm: effizientere Bewirtschaftung von Land und Meer, besserer Schutz und bessere Verwaltung mariner Ökosysteme, gerechtere Gesundheitsstandards und sozioökonomisches Wachstum, geringere Emissionen sowie höhere Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel. Wenn Regierungen auch nur einen Teil ihres wirtschaftlichen Schwerpunkts von landbasierter Gewinnung und Produktion verlagern, könnte die Blue Economy zur Zukunft nachhaltiger Entwicklung werden.

Das verlangt Investitionen in Infrastruktur, Technologien, Forschung, Entwicklung, Arbeitsplätze und Bildung. Angesichts unserer starken Ausrichtung auf landbasierte Tätigkeiten, besonders Landwirtschaft, ist das schwierig. Die globale Landwirtschaft trägt zwar nur 3 % zum weltweiten BIP bei, in vielen Entwicklungsländern aber über 25 % zum nationalen BIP. 38 % der weltweiten Landfläche werden landwirtschaftlich genutzt; 26 % dienen der Tierproduktion. Jährlich werden etwa 50 Milliarden Hühner, 1,5 Milliarden Schweine, 545 Millionen Schafe, 444 Millionen Ziegen und 300 Millionen Rinder für Fleisch geschlachtet. Die Grüne Revolution hat eine gewaltige globale Landwirtschaft geschaffen. Sie auch nur teilweise durch eine Blue Economy zu ergänzen und zu ersetzen, wird anspruchsvoll und möglicherweise einschneidend sein.

Aquakultur und wachsende Nahrungsmittelnachfrage

Bis zur Mitte des Jahrhunderts muss die Erde Nahrung für zwei Milliarden zusätzliche Menschen bereitstellen; bis 2100 könnte die Bevölkerung auf elf Milliarden wachsen. Mit der Entwicklung der Länder des globalen Südens und steigenden Einkommen verändern sich Ernährungsweisen, und die Fleischnachfrage nimmt zu. Das ist problematisch, weil Landwirtschaft, Landnutzungsänderungen, Abholzung und Tierproduktion zusammen den zweitgrößten Beitrag zu den weltweiten Treibhausgasemissionen leisten. Um den Druck auf die Landwirtschaft zu verringern, brauchen wir Alternativen, die gerechtes Wachstum bei begrenzten Umweltschäden ermöglichen.

Aquakultur ist ein zentraler Bestandteil der Blue Economy. Sie erschließt das große, bislang relativ wenig genutzte Potenzial der Meere für die Lebensmittelproduktion. Der Begriff umfasst jedoch auch Süßwasser-, Binnen- und Küstenanlagen. Gerade Süßwasseraquakultur kann nahezu so umweltschädlich sein wie herkömmliche Landwirtschaft und marine Ökosysteme, Organismen und Gemeinschaften beeinträchtigen.

Abfälle aus Aquakulturanlagen können den Sauerstoffgehalt des Wassers verringern und Algenblüten sowie sauerstoffarme Todeszonen verursachen. Auch die Einführung und mögliche Flucht nicht heimischer Arten ist bedenklich, weil sie lokale Ökosysteme und Nahrungsketten stören kann.

Als Antwort könnte die entstehende Hochsee-Marikultur negative Folgen abmildern. Marikultur bezeichnet hier Aquakultur im offenen Meer. Gegenüber herkömmlichen Süßwasser- oder Küstenanlagen bietet sie mehrere Umweltvorteile.

Die im Ausgangsbeitrag angesprochene Karte zeigt die durchschnittliche Nettoprimärproduktion der Ozeane, also die Konzentration mikroskopischer Organismen und anderer Primärproduzenten wie Phytoplankton. Grüne, gelbe und rote Gebiete weisen hohe Konzentrationen und damit komplexere, vielfältigere Nahrungsnetze auf. Sie liegen überwiegend in Landnähe. Dunkelblaue Flächen kennzeichnen offene Meeresgebiete mit vergleichsweise wenigen Nährstoffen, organischen Stoffen und Lebewesen. Hochseeanlagen bergen deshalb ein geringeres Risiko für Umweltzerstörung, weil sie kilometerweit von größeren marinen Ökosystemen entfernt liegen.

Dennoch bestehen Bedenken. Selbst in relativ lebensarmen Gebieten können organische und anorganische Abfälle auf den Meeresboden sinken und kleinere Ökosysteme der Tiefseeebenen stören. Stärkere Strömungen könnten Abfälle bei unsachgemäßer Bewirtschaftung weltweit verteilen. Zudem wurden in Hochseeanlagen besorgniserregende Mengen an Antibiotika eingesetzt.

Befürworter halten diese Herausforderungen für dringend, aber lösbar, und die Hochsee-Marikultur für gut geeignet, ihnen zu begegnen. Mehr Platz ermöglicht größere Fischkäfige und weniger Überbesatz, eine wichtige Ursache der Abfallbelastung in Fischzuchten. Auch die Daten zu entkommenen nicht heimischen Arten sind nicht eindeutig. Als 2017 Tausende Atlantische Lachse aus einer Anlage im Pazifik entwichen, erwarteten die meisten Beobachter keine erhebliche Störung der Nahrungskette. Weil die Tiere an Fertigfutter gewöhnt waren, wurde ihr Überleben in freier Natur sogar für unwahrscheinlich gehalten.

Der eigentliche Anreiz für Fischerei und Aquakultur liegt jedoch in den Vorteilen meeresbasierter Lebensmittelproduktion gegenüber herkömmlicher Landwirtschaft an Land.

Aquakultur benötigt weniger intensive Ressourcen- und Energiezufuhr, weil Fische ihr Futter wesentlich effizienter in für Menschen essbares Fleisch umwandeln. Als wechselwarme Tiere, die im Wasser nicht gegen die Schwerkraft arbeiten müssen, benötigen sie weniger aufwendige Skelett- und Muskelstrukturen und damit weniger Energie und Futter. Für ein Pfund essbares Rindfleisch werden zehn Pfund Getreide benötigt. Ein Lachs benötigt für dieselbe Menge lediglich 1,3 Pfund pflanzliches und proteinreiches Futter.

Andere Meerestiere sind noch effizienter. Muscheln wie Venus- und Jakobsmuscheln filtern organische Stoffe aus ihrer Umgebung und benötigen keine zusätzliche Fütterung. Ihre Zucht bietet deshalb praktisch eine Futterumwandlung ohne zusätzlichen Futtereinsatz. Sie kann sogar helfen, Wasserschadstoffe zu entfernen und Eutrophierung zu bekämpfen.

Die effiziente Futterumwandlung ist ein Hauptgrund für den niedrigen CO₂-Fußabdruck der Aquakultur. Die FAO schätzte ihren Anteil an den weltweiten Emissionen auf etwa 0,45 %, gegenüber 14,5 % für die Tierhaltung insgesamt. Ein Teil dieses Unterschieds liegt zwar daran, dass die Tierhaltung wesentlich größer ist. Doch die effizientere Umwandlung bedeutet auch geringere Emissionen je erzeugter Einheit als bei den meisten Nutztieren. Meeresfische benötigen außerdem kein Süßwasser zum Überleben. An Land entfallen dagegen 70 % der weltweiten Süßwassernutzung auf landwirtschaftliche Bewässerung.

Auch Sorgen um den Flächenbedarf sind weitgehend unbegründet. Eine Studie der University of California von 2017 kam zu dem Ergebnis, dass im offenen Meer Fischzucht auf 0,025 % der Ozeanoberfläche den weltweiten Nahrungsbedarf decken und Wildbeständen Erholung ermöglichen könnte. Zusammen könnten diese Faktoren den individuellen CO₂-Fußabdruck senken, wenn Fisch zur wichtigsten Proteinquelle wird. Eine britische Studie von 2014 stellte fest, dass eine pescetarische Ernährung nur halb so viel CO₂ verursacht wie eine fleischreiche.

Die Vorteile reichen über Emissionsminderung und effizientere Landnutzung hinaus. Der Ersatz einer stark fleischbasierten Ernährung durch Fisch kann gesundheitliche Vorteile bringen. Eine dänische Studie von 2019 errechnete, dass dadurch jährlich etwa 170 Todesfälle durch koronare Herzkrankheiten vermieden und insgesamt 7.000 gesunde Lebensjahre gewonnen werden könnten. Die Risiken des Verzehrs roten Fleisches stiegen laut Studie mit dem Alter; Männer seien besonders anfällig für entsprechende gesundheitliche Folgen.

Eine Blue Economy gegen den Klimawandel

Die Ozeane sichern weltweit Lebensgrundlagen und Ernährung. 80 % allen Lebens auf der Erde befinden sich im Meer. 3,5 Milliarden Menschen sind auf die Ozeane als wichtigste Nahrungsquelle angewiesen. Neben Böden und Pflanzen zählen sie zu den großen Systemen für Kohlenstoffbindung und -speicherung. Trotz ihrer Bedeutung haben wir das Potenzial ihrer Leistungen bisher erst ansatzweise erschlossen.

Eine Blue Economy könnte das enorme Potenzial zur Kohlenstoffbindung nutzen: Die Ozeane können bis zu ein Drittel der jährlichen menschengemachten CO₂-Emissionen aufnehmen. Dieses Potenzial ist wesentlich mit den besonderen Küstenökosystemen verbunden. Bewachsene marine Lebensräume wie Mangrovenwälder, Moore, Salzmarschen und Seegraswiesen bedecken weniger als 1 % des Meeresbodens, könnten aber für über 70 % der Kohlenstoffspeicherung in Meeressedimenten verantwortlich sein.

Der als Blue Carbon bezeichnete, von Meeren und Küstenökosystemen gebundene Kohlenstoff übertrifft nach Darstellung des Beitrags die Speicher nahezu aller anderen Ökosysteme. Seegras und andere Küstenvegetation machen nur 0,05 % der pflanzlichen Biomasse aus, können aber jährlich so viel Kohlenstoff speichern wie die gesamte Landbiomasse. Weil wassergesättigte Küstenböden weitgehend sauerstoffarm sind, zersetzt sich die kohlenstoffhaltige Vegetation langsamer; der Kohlenstoff bleibt länger gebunden.

Andere marine Ökosysteme bieten Küstengemeinschaften noch unmittelbarere Leistungen. Natürliche Küsteninfrastruktur wie vorgelagerte Riffe, Mangroven und Feuchtgebiete schützt vor Hurrikanen, Stürmen und Überschwemmungen. Sie verringert Erosion, reinigt Wasser und mindert Bodenversalzung sowie Küstenschäden. Ein gesundes Korallenriff kann beispielsweise bis zu 97 % der Wellenenergie während eines Sturms aufnehmen.

Die Meere gewinnen außerdem als Standorte erneuerbarer Energieerzeugung an Bedeutung. Mit wachsender Nachfrage nach alternativen Energien bieten Küsten- und Offshoregebiete gute Voraussetzungen für Wind-, Wellen- und Gezeitenkraft. Offshorewind zählt zu den am schnellsten wachsenden Energiesektoren. Die Internationale Energieagentur schätzte das Marktwachstum zwischen 2010 und 2018 auf 30 % und erwartet bis 2040 eine Branche im Wert von einer Billion US-Dollar. Unter Führung der EU, Großbritanniens und Chinas eröffnet Offshorewind großes Potenzial: Er könnte mehr als das 18-Fache des heutigen weltweiten jährlichen Energiebedarfs erzeugen. Wie viele Bereiche der Blue Economy ist es eine junge Branche, die von anhaltender Innovation und Anlegervertrauen profitiert.

Eine Blue Economy könnte das Potenzial der Meere und Küsten nutzen, den Klimawandel abzuschwächen und Gemeinschaften vor seinen Folgen zu schützen. Ein Wirtschaftssystem, das die natürliche Produktivität der Ozeane anerkennt, schafft nicht nur Nutzen, sondern auch wirtschaftliche Instrumente und Gründe für ihren Schutz. Gegenwärtige Entwicklungen schädigen Meeresräume durch Verschmutzung, Veränderungen von Lebensräumen, Klimawandel und nicht nachhaltige, unregulierte Ressourcengewinnung. Mit dem Blue-Economy-Konzept können Regierungen den Wert ihrer Meere und Küsten anerkennen und in die Wirtschaftspolitik einbeziehen.

Blue Economy und Gerechtigkeit

Neben wirtschaftlichen Vorteilen müssen Regierungen auch den gesellschaftlichen Nutzen solcher Investitionen erkennen. Meere und marine Ressourcen bilden die wirtschaftliche und kulturelle Grundlage vieler Entwicklungsländer, insbesondere kleiner Inselentwicklungsländer (SIDS) und der am wenigsten entwickelten Länder (LDCs).

Ein Bericht von 2017, gemeinsam von Weltbank und UN verfasst, erläutert, wie eine Blue Economy SIDS und LDCs bei der Erreichung der UN-Nachhaltigkeitsziele unterstützen könnte. Sie ermöglicht einkommensschwachen Staaten, ihre wertvollste Ressource – das Meer – mithilfe moderner Technik und wirtschaftlicher Planung besser zu nutzen.

Dem Bericht zufolge soll das Konzept „wirtschaftliches Wachstum, soziale Inklusion sowie den Erhalt oder die Verbesserung von Lebensgrundlagen fördern und zugleich ökologische Nachhaltigkeit gewährleisten“. Es eröffnet Inselstaaten und küstennahen LDCs emissionsarme, ressourceneffiziente Entwicklungswege. Ein solcher Rahmen schafft Arbeitsplätze, verbessert Lebensgrundlagen und Ernährungssicherheit und verringert Ungleichheit, indem er marginalisierte Gruppen mit traditionellem Wissen einbezieht, darunter Frauen, junge Menschen und indigene Gemeinschaften.

Der Klimawandel wird einkommensschwache Länder besonders hart treffen; Küstenstaaten sind besonders exponiert und verletzlich. Die Blue Economy ist zwar weltweit anwendbar, ihre wichtigsten Ergebnisse wären aber für SIDS und LDCs zu erwarten, weil sie ungleich verteilte Klimaschäden und Kosten besser berücksichtigen kann. Stärkere natürliche Infrastruktur und der Erhalt von Ökosystemleistungen erhöhen die Widerstandsfähigkeit von Küstengemeinschaften. Zugleich können wichtige Einnahmen aus Schifffahrt und Küstentourismus gestärkt werden.

Küstenstaaten erkennen die Bedeutung des Meeresschutzes. Die Seychellen verfolgten 2018 einen Debt-for-Nature-Swap: Ein Teil der Auslandsschulden wurde im Austausch für Investitionen in lokale Schutzmaßnahmen erlassen. Die Seychellen stellen 410.000 km² ihres Meeres für Naturschutz und nachhaltige Entwicklung bereit. Gemeinsam mit Weltbank und Global Environment Facility legte die Regierung außerdem die weltweit erste Blue Bond über 15 Millionen US-Dollar auf. Für den Inselstaat, dessen Wirtschaft fast vollständig von Fischerei und Tourismus abhängt, sollen diese Initiativen die Blue Economy fördern und die Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel erhöhen.

Nachhaltige Aquakultur, Offshoreenergie und Blue-Carbon-Speicherung können in SIDS und LDCs private Investitionen und internationales Interesse anziehen. Innovative Finanzierungsmechanismen wie Schuldentausch gegen Naturschutz, gezielte Mischfinanzierungen für Entwicklung und Blue Bonds können dort blaue Wirtschaftssysteme etablieren, wo sie besonders gebraucht werden. Langfristig können sie die Eigenständigkeit erhöhen und die Abhängigkeit von ausländischen Akteuren verringern.

Junge Blue-Economy-Sektoren bieten erhebliches Innovationspotenzial. Trotz vergleichsweise geringer Branchenerfahrung haben Investoren großes Interesse an den Wachstumsaussichten gezeigt. Kreditgeber und Finanziers erwarten starkes Wachstum; viele betrachten den Übergang als Möglichkeit, an der weltweiten Entwicklung hin zu sauberer Energie, nachhaltiger Ressourcengewinnung und effizienter Lebensmittelproduktion teilzuhaben.

Auch das Gewinnpotenzial von Bioprospektion und mariner Biotechnologie rückt in den Fokus. Bioprospektion ist die systematische Suche und Entnahme von Organismen aus Meeresböden und anderen marinen Lebensräumen. Die hohe genetische Vielfalt soll für Medizin, Umweltsanierung und Biokraftstoffe genutzt werden. Die bislang schwach regulierte Branche kann Meeresbodenökosystemen schaden, wenn Schlüsselarten entfernt oder Ressourcen übernutzt werden. Nachhaltig und innerhalb eines angemessenen Wirtschaftsrahmens reguliert, kann sie jedoch großen gesellschaftlichen Nutzen bringen.

Besonders spannend ist, dass die Blue Economy noch am Anfang steht. Etablierte Branchen wie Landwirtschaft und fossile Energien existieren so lange, dass Innovation an Grenzen stößt und sich Effizienz oder Nachhaltigkeit nur noch begrenzt verbessern lassen. Das ist ein Grund, weshalb Marktkräfte fossile Energien trotz starken Widerstands schrittweise verdrängen. Ihr Wachstumsspielraum ist begrenzt.

Die Blue Economy ist anders. Historisch wurde zu wenig finanzielles und menschliches Kapital in Innovationen ihrer Branchen investiert. Erst jetzt verstehen wir allmählich, in welchem Umfang die Meere uns schützen und unverzichtbare Ökosystemleistungen liefern. Wenn Regierungen und Unternehmen Innovation und Ausbau der Blue Economy priorisieren, könnte ein Produktivitätsschub ähnlich der Grünen Revolution entstehen. Nachhaltig und gerecht gestaltet, könnte eine „Blaue Revolution“ einen klaren Weg zu einer widerstandsfähigeren, nachhaltigeren Zukunft eröffnen.

Titelbild: Flickr

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf Earth.Org und wird hier im Rahmen einer redaktionellen Vereinbarung erneut veröffentlicht.

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