Abfallmanagement und Recycling

OWEN MULHERN | EARTH.ORG | 31. JULI 2020 | 4 MINUTEN
Abfallmanagement und Recycling
Abfall ist ein Problem wohlhabender Länder. Materialismus und Konsum haben die Sorge um die Umwelt verdrängt, und mehr zu kaufen, als wir brauchen, ist gesellschaftlich normal geworden. Dieser Beitrag betrachtet Abfallaufkommen und Abfallmanagement mit besonderem Blick auf Länder mit hohen Einkommen.
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Wie viel Abfall entsteht jedes Jahr?

Menschen in OECD-Ländern verbrauchen im Durchschnitt etwa 15 Tonnen Materialien pro Jahr – mehr als in anderen Weltregionen mit rund 12 Tonnen pro Person. Innerhalb der OECD haben die USA den höchsten Materialverbrauch pro Kopf.

Seit 2000 hat sich die Materialproduktivität in der großen Mehrheit der OECD-Länder verbessert, also der je Einheit Abfall erzielte Erlös. Heute erwirtschaften OECD-Länder durchschnittlich 2.600 US-Dollar je Tonne verbrauchten Materials, gegenüber 1.700 US-Dollar im Jahr 2000. Darin spiegeln sich effizientere Produktionsverfahren und der Ersatz heimischer Produktion durch Importe. Die folgende Karte zeigt, dass OECD-Länder wie die USA, Australien und europäische Staaten pro Kopf mehr Abfall erzeugen als Entwicklungsländer.

Betrachten wir nun das jährliche Abfallaufkommen pro Kopf in verschiedenen OECD-Ländern. Im Durchschnitt sind es 506 kg. Das entspricht mehr als 1.000 Paar Schuhen, die jede Person pro Jahr wegwerfen würde. Damit stellt sich die Frage, was mit diesem Abfall geschieht.
Wege der Abfallbewirtschaftung
- Deponierung
- Verbrennung mit oder ohne Energierückgewinnung
- Kompostierung
- Recycling
Die folgende Übersicht zeigt, wie Abfälle weltweit in den vergangenen 25 Jahren behandelt wurden.

In den vergangenen rund zwei Jahrzehnten werden mehr Abfälle von Deponien und Verbrennungsanlagen weggeleitet und durch Recycling, Kompostierung sowie Verbrennung mit Energierückgewinnung wieder wirtschaftlich genutzt.
Einige Länder treiben eine angemessene Abfallbewirtschaftung voran, während andere wie die USA zurückliegen.

Wie im Hinweis der Diagrammlegende zu erkennen, umfasst „Verwertung“ auch Verbrennung und Kompostierung. Sehen wir uns die Entsorgungsprofile genauer an.

Viele Länder, die keine Deponien mehr nutzen, sind zur Verbrennung übergegangen, im Diagramm rot dargestellt. Verbrennungsanlagen können die Abfallmenge um 95 % reduzieren und Geruch sowie Lärm im Vergleich zu Deponien besser kontrollieren. Anlagen mit Energierückgewinnung erzeugen zusätzlich Wärme oder Strom. Schweden deckt beispielsweise 8 % seines Wärmebedarfs durch Abfallverbrennung.
Doch ist Verbrennung die beste Alternative zur Deponierung? Wie effizient ist die Energiegewinnung aus Abfall?

Vergleichen wir die Energieeinsparung durch Recycling, blau dargestellt, mit der Verbrennung samt Energierückgewinnung in Rosa. Mit Ausnahme von Gummireifen fällt die Energieeinsparung bei der Verbrennung der meisten Materialien geringer aus als beim Recycling.
Außerdem entstehen bei der Verbrennung Rauch und Asche mit sauren Gasen, Dioxinen und Stickoxiden, die Umwelt und Menschen schädigen.
Der Wechsel von Deponierung zu Verbrennung hat also Vorteile, reicht aber nicht aus, um unseren ökologischen Fußabdruck auszugleichen. Die Verbesserung der Abfallbewirtschaftung muss weitergehen, um natürliche Ressourcen und Energie zu erhalten.
Dass Recycling zunimmt, ist daher eine gute Nachricht. Entscheidend bleibt aber seine tatsächliche Wirksamkeit.
Vorteile des Recyclings
Nach Angaben der US-Umweltbehörde EPA spart Recycling gegenüber der Herstellung aus Primärrohstoffen:
- bei Aluminiumdosen 95 % der benötigten Energie,
- bei Stahl- und Weißblechdosen 60–74 %,
- bei Papier etwa 60 %,
- bei Kunststoff und Glas etwa 30 %.
Die Energie, die durch das Recycling einer Glasflasche eingespart wird, reicht aus, um eine 100-Watt-Glühlampe vier Stunden lang zu betreiben.
Recyclingmythen
Leider bleibt Recycling mancherorts ein Versprechen, weil ein Teil der dafür vorgesehenen Kunststoffe dennoch auf Deponien oder sogar im Meer landet.
In den meisten Ländern weisen lokale oder regionale Abfallanlagen einen Teil der zum Recycling gesammelten Kunststoffe wegen Verunreinigungen oder fehlender wirtschaftlicher Anreize zurück.
Wie hoch dieser Anteil ist, unterscheidet sich je nach Recyclingpolitik, Zielen, Infrastruktur und Leistungsfähigkeit der Trennverfahren erheblich.

Von der Sammlung über die Sortierung bis zur Wiederaufbereitung besteht Recycling aus mehreren zusammenhängenden Schritten.

Damit es funktioniert, müssen verschiedene Beteiligte zusammenarbeiten: Menschen, die Abfälle trennen; Recyclingbetriebe; Unternehmen, die Produkte aus Rezyklaten herstellen; und Verbraucher, die Nachfrage nach solchen Produkten schaffen. Die Kette reißt, wenn eine dieser Gruppen nicht mitwirkt.
Das bedeutet, dass jeder Mensch – auch Sie – ein wichtiger Teil eines effizienteren Recyclings ist.
Wie können Sie helfen?
Ein verbreiteter Irrtum ist, dass alle Kunststoffe recycelbar seien. Tatsächlich gibt es mehr unterschiedliche Arten, als viele vermuten. Der erste Schritt ist deshalb, sich selbst und das eigene Umfeld zu informieren. Kleine Maßnahmen wie das Reinigen von Kunststoffabfällen helfen anschließend zu verhindern, dass Material wegen Verunreinigung aussortiert wird.

Letztlich können wir als Verbraucher durch den Kauf von Recyclingprodukten wirtschaftliche Anreize schaffen, damit alle am Recyclingprozess mitwirken.
Dieser Artikel wurde von Emily Victoria Lu und Owen Mulhern verfasst.
Quellen
- Howard, B. (31. Oktober 2018). 5 recycling myths busted. Abgerufen am 24. Juli 2020: National Geographic.
- Kaza, S., Yao, L., Bhada-Tata, P., & Van Woerden, F. (2018). What a waste 2.0: a global snapshot of solid waste management to 2050. The World Bank.
- Morris, Jeffrey, und Canzoneri, Diana. (September 1992). Recycling Versus Incineration: An Energy Conservation Analysis. Sound Resource Management Group (SRMG), Seattle, Washington.
- OECD (2020). Environment at a Glance 2020. OECD Publishing, Paris. DOI: 10.1787/4ea7d35f-en.
- Ritchie, H. (ohne Datum). FAQs on Plastics. Abgerufen am 24. Juli 2020: Our World in Data.
- The biggest waste producers worldwide: Sensonseo Global Waste Index 2019. (25. März 2020). Abgerufen am 24. Juli 2020: Sensoneo.
Dieser Artikel erschien ursprünglich auf Earth.Org und wird hier im Rahmen einer redaktionellen Vereinbarung erneut veröffentlicht.
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