Von Algen zum Polymer durch Extrusion

OCEAN MATERIAL | 18. AUGUST 2023 | 9 MIN.
Algen direkt zu Polymermaterial extrudieren: ein Entwicklungsansatz für Verpackungen
Ocean Material arbeitet häufig mit engagierten Problemlösern zusammen, die innovative Ansätze gegen Meeresverschmutzung entwickeln. Wir haben mit Ludwig Schmidtchen, Leiter des Seaweed-Polymer-Projekts bei Brabender, über einen wegweisenden Ansatz gesprochen: Algen sollen durch Extrusion direkt in Polymermaterialien überführt werden. Diesen innovativen Ansatz fassen wir im folgenden Artikel zusammen.
Beim Wachstum binden Algen Kohlenstoff in ihrer Biomasse. Daraus allein folgt jedoch kein CO₂-negatives Verpackungsmaterial. Eine Lebenszyklusanalyse müsste Anbau, Trocknung, Verarbeitung, Transport, Nutzung und Lebensende einschließlich des Verbleibs des biogenen Kohlenstoffs berücksichtigen. Umweltvergleiche erfordern eine definierte Materialrezeptur und eine gleichwertige Verpackungsfunktion.
Das Konzept der direkten Algen-zu-Polymer-Extrusion
Der Ansatz sieht vor, Algen durch Extrusion unmittelbar zu Polymermaterial zu verarbeiten, etwa zu Granulat, Strängen, Folien oder dreidimensionalen Formteilen. Das Material heißt Carraphane. Weniger Verarbeitungsschritte sind ein Entwicklungsziel; deren Wirkung auf CO₂-Fußabdruck und Energiebedarf muss für den tatsächlichen Produktionsweg bewertet werden. Die folgende Prozessübersicht ist ein konzeptioneller Vergleich, kein Ergebnis einer Lebenszyklusanalyse:

Der Entwicklungsansatz nutzt Algenbiomasse als möglichen alternativen Rohstoff für ausgewählte Verpackungsanwendungen. Der Weg beginnt bei Anbau und Ernte, gefolgt von Trocknung und Verarbeitung. Anbaubedingungen, Feuchtigkeitsentzug und Verarbeitungsenergie müssen in die ökologische und wirtschaftliche Bewertung einfließen.
Ein Ansatz für nachhaltige Verpackungen
Von Folien bis zu Verpackungen für technische Kleinteile eröffnen algenbasierte Polymermaterialien Möglichkeiten für die Entwicklung biobasierter Verpackungen. Recyclingkreisläufe sind für diese Materialien hier noch nicht etabliert. Auch eine Entsorgung über den Biomüll darf nicht als geeignet vorausgesetzt werden: Annahme und Behandlung hängen von der endgültigen Rezeptur, nachgewiesener Kompostierbarkeit und dem lokalen Sammelsystem ab.
Biologische Abbaubarkeit und Wasserbeständigkeit
Biologische Abbaubarkeit, Kompostierbarkeit und Wasserbeständigkeit sind getrennte Eigenschaften, die für die endgültige Rezeptur und Anwendung bewertet werden müssen. Auflösung in Wasser belegt für sich genommen keinen vollständigen biologischen Abbau. Prüfbedingungen, Dauer und Ergebnisse müssen feststehen, bevor Aussagen zur Heimkompostierung oder zum Verhalten in der freien Umwelt getroffen werden.
Eine vielversprechende Zukunft für algenbasierte Polymere
Die direkte Verarbeitung von Algen zu Polymermaterial durch Extrusion eröffnet einen vielversprechenden Weg zu nachhaltigen und umweltfreundlichen Verpackungslösungen. Während an der Optimierung des Materials und der Erprobung möglicher Anwendungen gearbeitet wird, interessieren sich Forschung und Entwicklung für das Potenzial algenbasierter Polymere, Umweltbelastungen zu verringern und eine stärker kreislauforientierte Wirtschaft zu fördern.
Durch ihre Zusammenarbeit bringen Ocean Material und Brabender dieses umweltorientierte Forschungsfeld voran. Technische Fortschritte und ein wachsendes Bewusstsein für nachhaltige Alternativen eröffnen Perspektiven für umweltfreundlichere Verpackungen mit algenbasierten Polymeren.
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